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ARTIKEL VOM 27.01.2013


Hat das ECE-Center den Einzelhändlern in Passau geschadet?

Wissenschaftlerin liefert Fakten!






von SEBASTIAN DAIMINGER
Ob innerstädtische Shopping-Center ein Fluch oder Segen für den alteingesessenen Einzelhandel sind, darüber wird viel gestritten. Auch in Passau ist das ein Dauerthema, seit der Investor ECE (Teil des Otto-Imperium) vor knapp fünf Jahren die Stadtgalerie direkt in der Neuen Mitte eröffnet hat. Immer wieder gibt es Stimmen, die behaupten, dass die Innenstadt seither ausblutet und der traditionelle Einzelhandel in der City unter herben Verlusten leidet. Konkret belegen konnte dies bis dato niemand.
Mit konkreten Fakten wartet nun aber eine Wissenschaftlerin aus Hamburg auf. Die Ökonomin Monika Walther von der HafenCity Universität (HCU) hat erstmals die Auswirkungen von Shopping-Centern in einer umfangreichen Studie untersucht. Ihre Daten erhob sie in 64 deutschen Städten, auch das Fallbeispiel Passau floss dabei in ihre Arbeit ein. Das Ergebnis der Studie bringt Walther kurz und knapp auf den Punkt: „Meist profitieren nur die Center selbst, die Innenstädte leiden!“
Speziell für Passau kann die Wissenschaftlerin dies auch mit konkreten Zahlen in Bezug auf die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes untermauern. Die Wissenschaftlerin erklärt: „Danach ist der gesamtstädtische Einzelhandelsumsatz durch die Eröffnung der Stadtgalerie nicht gestiegen.“ Im Jahr 2005 betrug er 547 Millionen Euro, 2009 waren es 572 Millionen Euro und 2012 ebenfalls nur 550 Millionen Euro (auf Basis der GfK-Umsatzkennziffern). Walther dazu: „Es müssen also erhebliche Umsatzumverteilungen innerhalb der Innenstadt stattgefunden haben!“
Die Erkenntnisse der Wissenschaftlerin bestätigen also genau das, was viele Einzelhändler befürchtert haben: Es kommen nicht mehr Kunden als früher nach Passau - sie sind nur von den Innenstadtgeschäften in die 21 000 Quadratmeter große Stadtgalerie abgewandert.
Auch das ARD-Magazin „plusminus“ widmete sich kürzlich dem heiklen Thema und präsentierte ebenfalls die interessanten Ergebnisse der Ökonomin. In dem Beitrag wird klar, dass es bei dem Trend zu glitzernden Konsumwelten um ein knallhartes Geschäft, Geld, Macht und Einfluss geht. Nicht selten wickeln die Lobbyisten der großen Investoren naive Lokalpolitiker vor Ort um den Finger, um ihre Pläne umzusetzen, heißt es in dem Beitrag. Oft werde mit Versprechen geworben, die Shoppingcenter würden die gesamte Innenstadt beleben. Weil die Betreiber aber meist auch an den Umsätzen der Center beteiligt seien, hätten diese in Wirklichkeit gar kein echtes Interesse daran.
Belegbar sei dies durch weitere Ergebnisse der Forschungsarbeit: So haben Städte mit Shopping-Center den stärksten Rückgang an Passantenfrequenz in ihren 1a-Citylagen zu verzeichnen. In Passau sei die Frequenz um rund 42 Prozent gesunken. Die Folge ist eine Abwärtsspirale: Die Mietpreise in den 1a-Lagen sackten um 25 Prozent ab. Privatvermietern fehlt folglich oft das Geld für wichtige Investitionen in ihre Gebäude, wertige Mieter sind nur noch schwerer zu finden und langfristige Leerstände deswegen nicht selten.
Die Wissenschaftlerin Monika Walther hat noch viele weitere Punkte in ihrer Studie untersucht. Gegenüber der AS kam sie zu einem klaren Fazit: „Oft bringen Shopping-Center nicht den gewünschten Effekt, sondern gehen zu Lasten des bestehenden Handels. Wenn ein Center erstmal steht, gibt es kaum Korrekturmöglichkeiten. Die Verantwortlichen in den Städten müssen endlich aufwachen!“
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