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von CHRISTOPH EBERLE Büchlberg/Hamburg - Immer weiter weg, immer exotischere Ziele - am besten solche, die bislang möglichst wenig Leute kennen. Das ist für viele Deutsche der Trend in Sachen Wahl des Urlaubsziels. Und sollte man ausnahmsweise ein zweites Mal an einen Ort kommen, dann bucht man zumindest ein anderes Hotel. Horst und Margret Lemke (beide 68) aus Hamburg machen es anders: Sie fahren seit Jahrzehnten nach Büchlberg und übernachten immer im selben Betrieb - aktuell sind sie zum 52. Mal dort. „Im Jahr 1975 wollten wir eigentlich einen Camping-Urlaub machen. Doch dann haben uns Bekannte aus Hamburg empfohlen, nach Büchlberg zu fahren“, erzählt Horst Lemke. „Sie hatten den Tipp selbst in einem Reisebüro bekommen und sind begeistert zurückgekehrt“, ergänzt seine Frau Margret. So buchte auch das zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alte Ehepaar mit seinen Kindern einen Aufenthalt in der gerade neu eröffneten Frühstückspension Stemp im Büchlberger Ortsteil Tannöd. „Das war damals noch Urlaub auf dem Bauernhof“, erzählt der ehemalige Bauarbeiter sowie Gas- und Wasser-Rohrnetzmeister. Er erklärt: „Tagsüber haben wir uns die Gegend angeschaut, abends haben wir beim Ausmisten im Kuhstall geholfen.“ Von der Freundlichkeit der Gastgeber, der persönlichen und familiären Atmosphäre, dem Essen sowie der Bayerwald-Region waren die „Nordlichter“ auf Anhieb begeistert. Wohl auch, weil das Landleben ein deutlicher Kontrast zur Hamburger Großstadtatmosphäre ist: „Man ist hier in einer ganz anderen Welt“, sagt Margret Lemke. Im Gespräch mit der AS schwärmt die ehemalige Post-Mitarbeiterin von der Luft, der Landschaft und nahe gelegenen Ausflugszielen wie dem Nationalpark, dem Großen Arber oder auch der Dreiflüssestadt Passau. Das Ehepaar kehrte immer wieder gerne ins Haus Stemp nach Tannöd zurück - zum Teil zweimal pro Jahr. „Ab und zu haben wir uns sogar ein verlängertes Wochenende in Büchlberg gegönnt. Im Nachhinein betrachtet Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass die einfache Strecke fast 850 Kilometer lang ist und rund acht Stunden dauert. Aber es war immer wieder toll“, sagt Margret Lemke. Angereist ist die Familie meist mit dem Auto - so sei man vor Ort flexibler und könne die Gegend besser erkunden. In den 38 Jahren, die das Paar nach Tannöd fährt, hat sich an ihrem Lieblings-Urlaubsziel einiges geändert: „Früher zahlte man neun Mark für die Übernachtung mit Frühstück. Und für mehrere Zimmer gab es nur eine Toilette am Gang“, erinnern sich die Lemkes. Inzwischen ist die frühere Frühstückspension mit landwirtschaftlichem Nebenerwerbsbetrieb zu einem stattlichen Wellness-Hotel herangewachsen. Erst im vergangenen Frühjahr wurde eine große Umbau- und Modernisierungsmaßnahme abgeschlossen. Seitdem hat das Landhotel Stemp in 39 Zimmern und Suiten reichlich Platz für 100 Gäste. Statt einem Kuhstall hat das Haus nun einen Beauty- und Spa-Bereich mit Pool. Die Regie führt mit Herbert Stemp und seiner Frau Christine die nächste Generation - als die Lemkes das erste Mal kamen, war der heutige Chef zehn Jahre alt. Seit vergangenem Wochenende sind die Lemkes wieder für zwei Wochen in Tannöd. Als Deutschlands wohl treueste Hotel-Stammgäste haben sie im Landhotel natürlich so manches Privileg. „In den fast 40 Jahren haben wir mit den Gastgebern eine richtige Freundschaft entwickelt“, erzählt Horst Lemke. Ihr Abendessen nehmen sie daher nicht im Restaurant ein, sondern bekommen jeden Abend bei den Seniorchefs Albert und Amalie Stemp eine bayerische Brotzeit serviert. Untergebracht sind sie nicht im neuen Gebäude, sondern - fast wie früher - in einer Ferienwohnung im Privathaus der Stemps. Verdient haben sie die Sonderbehandlung auf alle Fälle: Zuhause in Hamburg sind Horst und Margret inzwischen nämlich so etwas wie die inoffiziellen „Botschafter von Büchlberg“: Auch aus ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis fahren inzwischen ebenfalls mehrere Leute ins Landhotel Stemp. Ihre Bekannte Vera Gertschat ist dabei ebenfalls schon auf dem besten Weg zu einer Rekordmarke: Sie verweilt aktuell zum 42. Mal in Tannöd. Außer nach Büchlberg fahren die liebenswerten Lemkes nur noch ab und zu auf einen Campingplatz bei Hamburg. Deutschland haben sie aber noch nie verlassen - Bayern ist für sie wohl Ausland genug. |
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