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ARTIKEL VOM 21.02.2010


Im Bayerischen Wald lernt Laura (14) das Skifahren - trotz ihrer Körperbehinderung

Echt cool: Die wilden Pistenflitzer
von der Passauer K-Schule!









von MICHAEL OSWALD
Auch wenn sie anfangs oft in den Schnee gefallen ist - Lauras Begeisterung bleibt! Für die 14-Jährige ist es bereits ihr vierter Skikurs. Ein großes Erlebnis und im wahrsten Sinne des Wortes eine „echt coole Sache“. Dass Kinder und Jugendliche Skifahren lernen, ist ja eigentlich nichts Außergewöhnliches. Aber Laura Buchheit aus Fürstenzell ist körperbehindert.
Die Schülerin der Klasse 3/5 des Caritas-Förderzentrums K-Schule Passau konnte jetzt an einem einwöchigen Mono- und Bi-Ski-Kurs des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern (BVS) teilnehmen. Im Skigebiet Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald lernt sie gemeinsam mit ihrem Vater Michael, wie es ist, von einem Skilift gezogen zu werden, einen Hang hinunter zu wedeln und auch mal die Nase bei missglückten Manövern in den Schnee zu stecken.
„Für Körperbehinderte gibt es zwei Skimodelle“, erklärt Kursleiter Christian Schoen: „Den Mono-Ski, der eigentlich aus einem normalen Ski besteht, nur dass darauf ein Sitzelement befestigt ist. Zweite Variante: Der Bi-Ski, der über zwei taillierte ,Brettl’ verfügt und zusätzlich zwei kleine seitliche Ausleger hat.“ Damit kann man nur durch die Verlagerung des Körpergewichts fahren. Einfacher wird das Kurvenfahren allerdings erst mit den so genannten Krücken-skiern (kurze Krücken mit kleinen Skiern darunter), die man auch als „Flic Flac” bezeichnet und links sowie rechts in der Hand hält. Die Betreuer selbst benötigen zudem Snowblades (kurze Ski). „Die braucht man, weil wir nah an den Kindern und Jugendlichen dran sein sollen. Außerdem können sich die Betreuer so besser an einem Bügel abstützen oder ein Varioband auf Zug halten“, schildert Inge Drasch, Erzieherin an der K-Schule in Passau den Ablauf.
Nach der Ankunft im behindertengerechten Hotel „Witikohof“ der Caritas in Bischofsreut und dem obligatorischen „Hallo“
mit den anderen Kindern aus Bayern, geht’s gleich ans Eingemachte: Zimmerverteilung, Essensabsprache und natürlich das Wichtigste: Die Verteilung und fachkundige Einstellung der Mono-Ski- und Bi-Ski-Geräte auf die einzelnen Kinder und Jugendlichen. „Thomas braucht eine andere Sitzschale, bei Lucas muss die
Fußstütze verändert werden und Corinna soll mal diesen Helm probieren“, so die Tipps von Herbert Winterl, Lehrwart für Behindertenskilauf.
Nachdem alle Mädchen und Jungs in ihre Mono- und Bi-Ski-Geräte eingestiegen sind, kann das Abenteuer endlich beginnen. Auch für Laura in ihrem Bi-Ski und ihrem Papa als Begleiter. Die ersten Abfahrten standen natürlich ganz im Zeichen der Eingewöhnung. „Am besten eignen sich am Anfang verschiedene einfache Übungen, um das Gleichgewicht zu halten oder um im flachen Gelände langsam zu gleiten“, so Winterl. Am Lift angekommen , wartete schon die nächste Herausforderung - das Hochfahren auf den Berg. Doch wer den Berg rauf kommt, muss ihn irgendwie auch wieder runter kommen. In zwei Gruppen, Mono- und Bi-Ski aufgeteilt, wagen sich alle an die ersten Schwünge. Laura, die seit ihrer Geburt an Sprach- und Gleichgewichtsstörungen leidet, erklärt das Fahren einer Linkskurve so: „Den linken Krückenski nach links außen und den anderen dagegen drücken. Dabei den ganzen Körper nach links lehnen. Die Rechtskurve funktioniert dann genau anders herum.“
Na, dann los! „Rechtskurve“, ruft Vater Michael und leitet an dem Griff die Kurve ein. Laura muss mithelfen und durch den Oberkörper das Gewicht verlagern. Und von Herbert Winterl gibt es zu den Kurven natürlich auch die entsprechenden Anweisungen: „Immer daran denken: „Hintern zum Berg, Kopf zum Tal.“
Unten angekommen sind beide mächtig stolz. Auch Laura ist überglücklich: „Der Spaß an der Geschwindigkeit ist für mich einfach unbeschreiblich.“ Die Begeisterung ist grenzenlos.
Skifahren hat für Körperbehinderte aber vor allen Dingen einen hohen therapeutischen Wert. „Für sie ist es eine gute Möglichkeit, ihr Gleichgewichtsgefühl zu trainieren”, betont Inge Drasch. Darüber hinaus haben die Jugendlichen einmal das Gefühl der Geschwindigkeit erlebt. Einfach so, als würde man auf normalen Skiern den Berg hinunter düsen. Michael Buchheit: „Es fördert auch das Selbstbewusstsein enorm.“ Und nicht zu vergessen sei, dass viele skibegeisterte Eltern gerne mit ihren Kindern diesen Sport ausüben würden. „So ein Kurs gibt ihnen dazu die Chance”, meint Herbert Winterl. „Aber vor allem war es wieder mal toll, eine Woche fernab von zu Hause in den Bergen zu sein“, schwärmte Laura, für die jetzt schon feststeht: „Klar wedle ich nächsten Winter wieder die Piste runter...“
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