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ARTIKEL VOM 07.02.2010


Geschäfte mit dem Tod: Passauer (34) sorgt mit Särgen und Leichenwagen für Furore

Werbung für den Totengräber






von VERONIKA PREE
Es ist die wohl provokanteste Werbe-Aktion des Jahres: Ein Leichenwagen, auffällig an einer Straßenkreuzung platziert. Die Botschaft: „Wir sind allzeit für sie bereit!“
Beim Passauer PR-Mann Markus Menigat (34) darf der Humor ruhig etwas dunkler sein. Als er einem Kunden, dem Bestatter Mike Reisecker, einen Besuch in Oberösterreich abstattet, sticht ihm eines sofort ins Auge: Ein uralter, grauer Volvo. Ein riesiges Schiff von einem Leichenwagen. Auffällig, weithin zu erkennen und viel zu schade, um einfach vor dem Haus herum zu stehen.
Menigats Werbeagentur „Manygates“ ist in Schärding (Oö). „Ich habe mich bei der Gemeinde erkundigt, wo die unfallträchtigste Kreuzung in der Umgebung ist. Dann haben wir den Wagen kurzerhand dort aufgestellt“, erklärt Menigat. Ganze drei Wochen stand das Todes-Symbol so für jeden gut sichtbar an der Straße: Als Mahnmal gegen das Rasen!
Die Resonanz der Schärdinger war überwiegend positiv. Sie realisierten, dass es „ganz gut ist, mal vom Gas zu gehen oder einfach richtig zu schauen“, so Menigat.
Andere fanden die Platzierung doch sehr gewagt. Denn nicht jeder möchte sich so direkt mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert sehen. „Es ist ein schmaler Grat. Mein Beruf erfordert viel Feingefühl. Pietät ist enorm wichtig“, erklärt Reisecker. „Trotzdem muss ich auch für unser Unternehmen Werbung machen“.
Sind die Österreicher lockerer im Umgang mit dem Tabu-Thema? „Rein rechtlich würde auch bei uns nichts dagegen sprechen, in Deutschland einen Leichenwagen zur Abschreckung aufzustellen“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Er findet: „Wenn es hilft - warum nicht?“. Und auch vom Deutschen Verkehrssicherheits-Rat gibt es eine Plakat-Aktion, die für Wirbel gesorgt hat: Auf einem Foto von Geiern stand der Kommentar: „Hallo Raser, wir warten!“ Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht ist skeptisch: „Menschen erinnern sich am besten an konkrete Handlungsanweisungen. Schocker-Aktionen wirken nur kurzfristig.“ Sogar einigen Bestatter-Kollegen ist das Treiben des kreativen Totengräbers suspekt. Schließlich zieht er jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Sie haben ihm angeblich die Wirtschaftskammer und die Steuerfahnder auf den Hals gehetzt.
Aber Reisecker findet, dass der Tod zu Unrecht an den Rand der Öffentlichkeit gedrängt wird. Er will Leute wachrütteln und für das Thema sensibilisieren. Der Bestatter und sein PR-Mann haben schon jede Menge weitere Ideen in petto. Das nächste pikante Vorhaben: Ein Kalender mit Sarg-Bildern. Daneben räkeln sich leicht bekleidete Damen...




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