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ARTIKEL VOM 07.02.2010


Rettungsplan des Eishockey-Vereins: Gläubiger sollen auf 70 Prozent der Forderungen verzichten

Das ganze Hawks-Drama






von MICHAEL OSWALD
Die vor dem Ruin stehenden Black Hawks haben ihr Sanierungskonzept vorgestellt. Jetzt liegen die Fakten auf dem Tisch: Die Event GmbH muss nach dem Ansinnen der Hawks, wie auch alle anderen Gläubiger, auf 70 Prozent ihrer Forderungen gegenüber dem finanziell in die Schieflage geratenen Passauer Eishockey-Verein verzichten. Ansonsten ist der Gang vor das Insolvenzgericht nicht mehr abzuwenden.
Auf fünf Seiten und mit insgesamt elf Punkten versuchen die Verantwortlichen des Oberligisten in einem Bittbrief an die Gläubiger die Ursachen des wirtschaftlichen Dilemmas zu erklären. Sie geben Alternativen zur Lösung vor, zeigen aber auch die Konsequenzen auf, wenn man sich nicht einigt. Der AS liegt dieses Konzept exklusiv durch einen der Gläubiger vor.
Dabei heißt es unter anderem unter Punkt „Managementressourcen“: „Den Vorwurf zu erheben, dass hinsichtlich konkreter Anpassungsmaßnahmen zu spät reagiert worden ist, trifft wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt zu…“
Das sieht ein Stadtrat ganz anders: „Wer rund 100 000 Euro an Verbindlichkeiten anhäuft und dann immer noch nach Ausreden sucht, der versteht sein Handwerk nicht. Unter einem ehrlichen Kaufmann verstehe ich etwas anderes!“ Zumindest was die Quintessenz bezüglich Ausfall von Sponsorengeldern, Wirtschaftskrise oder fehlende Einnahmen aus Zusatzgeschäften anbelangt, reden die Hawks-Bosse nun Klartext: „Die Entwicklung in den letzten Monaten hat dazu geführt, dass die Kapitaldienstfähigkeit nicht mehr gegeben ist.“ Darüber hinaus spielt auch die Hausbank der Black Hawks nicht mehr mit. Unter dem Punkt „Beitrag Banken“ müssen die Verantwortlichen einräumen, „dass die Hausbank grundsätzlich nicht bereit ist, die dringende Liquiditätsnotwendigkeit ohne weitere Bürgschaften zu sichern.“
Den letzten Rettungsanker sieht der Eishockey-Verein deshalb in der Gnade seiner Gläubiger. Im Sinne einer Schadensbegrenzung für alle Lieferanten schlagen sie sämtlichen Schuldnern einen außergerichtlichen Vergleich zur Vermeidung einer Insolvenz vor. „Dabei werden 30 Prozent Ihrer aktuellen Forderung erfüllt, auf 70 Prozent verzichten Sie“, schlagen die Hawks-Bosse vor. Weiter heißt es in dem Brief: „Der Ausgleich der Forderung erfolgt in einer Summe unter der Voraussetzung, dass mit allen Vertragspartnern der oben genannte Vergleich geschlossen wurde.“
Nach AS-Informationen sollen bereits zahlreiche Gläubiger ein positives Zeichen signalisiert haben. Doch das Zünglein an der Waage wird aller Voraussicht nach am morgigen Montag die Event GmbH sein. Diese lädt dann ihre zwölf Aufsichtsratsmitglieder inklusive Vorsitzenden OB Jürgen Dupper zu einer Sondersitzung. Mit rund 15 000 Euro stehen die Hawks dort in der Kreide - zusätzlich zur Miete für das IceGate. Würde also das Konzept greifen, müsste die ebenfalls klamme Event auf über 10 000 Euro verzichten.
Letztendlich würde die Umsetzung dieses Konzeptes zu einer Schuldenentlastung „von voraussichtlich 40 000 Euro führen“, heißt es weiter unter dem Punkt „Sanierungskonzept Finanzen“. Dazu erklären die Hawks-Bosse: „Dies ist erforderlich, um die Balance zwischen Verschuldung und Bedienbarkeit wieder herzustellen, aber auch eine zwingende Voraussetzung für die Bereitschaft der Vorstandsmitglieder, ein Sanierungsdarlehen zur Verfügung zu stellen.“
Bleibt zu guter Letzt noch eine Frage offen: Was ist eigentlich aus dem Zahlungsbefehl gegenüber den Hawks geworden? Der Event-Aufsichtsrat hatte diesen beschlossen und er hätte eigentlich längst bei Christian Eder eintreffen müssen. Der dementierte aber bis Freitag, einen solchen Brief erhalten zu haben. Es gibt nun zwei mögliche Varianten. Erstens: Der Vorsitzende hat die Zahlungs-Aufforderung trotz Dementi längst erhalten. Würde der Verein in Kürze Insolvenz anmelden, dann müsste nach Meinung von Experten wohl der Vorwurf einer Insolvenzverschleppung geprüft werden. Oder: Event-Geschäftsführer Josef Kinateder hat den Beschluss des Aufsichtsrates bis heute nicht in die Tat umgesetzt. Auch darüber müsste dann gesprochen werden - vielleicht schon am morgigen Montag, wenn der Event-Aufsichtsrat über Wohl oder Wehe der Passau Black Hawks entscheidet.
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